Solar Materials - Warum wir investiert haben

Mitte November 2021 haben wir uns mit dem IBG Risikokapitalfonds III GmbH & Co. KG („IBG“) an dem Cleantech Startup Solar Materials beteiligt. Die Gründer haben ein innovatives Verfahren für das Recycling von Solarmodulen entwickelt.

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In diesem Artikel gehen wir nochmals detaillierter auf die Frage ein: Warum hat bmp Ventures in Solar Materials investiert?

Was macht Solar Materials?
Die Gründer von Solar Materials, Fridolin Franke, Dr. Jan-Philipp Mai und Jan Bargel, entwickeln am Standort in Magdeburg eine innovative Recyclingtechnologie für Solar- bzw. Photovoltaikmodule (PV-Module). Derzeit sind deutschlandweit knapp 2 Millionen PV-Module mit einer Gesamtleistung von 54 Gigawatt installiert - Tendenz stark steigend.

Solar Materials kommt dann ins Spiel, wenn PV-Module das Ende ihres Lebenszyklus erreichen oder nicht mehr wirtschaftlich eingesetzt werden können. Durch ein neuartiges Verfahren werden die PV-Module mittels thermomechanischer Prozesse in ihre Bestandteile zerlegt. Anders als bei Konkurrenzverfahren, ermöglicht dieses Vorgehen die Wiedergewinnung sämtlicher Bestandteile wie zum Beispiel Silber, Silizium und Glas. Die hohe Recyclingquote soll dazu beitragen das industrielle Recycling von PV-Modulen wirtschaftlich zu gestalten.

Als relevanter Akteur in der Circular Economy gewinnt Sachsen-Anhalt mit der Ansiedlung der Solar Materials GmbH, die 2021 in Braunschweig gegründet wurde, ein vielversprechendes und zukunftsfähiges Wachstumsunternehmen.

Die Technologie & USP:
Die Technologie hinter dem Verfahren von Solar Materials fußt auf mehreren Jahren Vorentwicklungszeit des Ideengebers und Mitgründers Dr. Jan-Philipp Mai. Das Verfahren ist skalierbar und das Team kann erste positive Testergebnisse vorweisen. Die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit und die Tatsache, dass Knowhow und IP umfangreich geschützt sind, haben unsere Investmententscheidung bestärkt.

Die Innovation von Solar Materials generiert eine hohe Wertschöpfung, da Rohstoffe wiedergewonnen und dem Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden können, die bisher verloren gehen. Dies bildet auch eine solide Basis für zukünftige Industrie-Kooperationen und zusätzliche Umsatzströme.

Der Markt:
Mit einem Anteil von 8,9 % am deutschen Strom-Mix ist die Photovoltaik eine unverzichtbare Säule für eine erfolgreichen Energiewende. Seitdem Jahr 2000 liegt Deutschland weltweit auf dem vierten Platz der installierten PV-Leistung, was einer gesamten Modulmasse von ca. 4 Mio. Tonnen entspricht.

Weltweit sind aktuell ca. 78 Mio. Tonnen Solarmodule installiert. Aufgrund deren technischer Lebensdauer von 20-30 Jahren ist davon auszugehen, dass diese Menge bis in das Jahr 2050 recycelt werden muss, was einem Marktvolumen von ca. 52 Mrd. EUR entspricht. Auf Basis der Installationszahlen der vergangenen Jahre lässt sich das zukünftige Recyclingaufkommen zudem gut prognostizieren.

Auch mit Blick auf den globalen Anstieg der Rohstoffpreise und die gesetzlichen Rahmenbedingungen hat Solar Materials ein gutes Timing für den Markteinstieg bewiesen, der mit etablierten Partnern aus der Industrie geplant ist. Das Recycling von PV-Modulen ist auf EU-Ebene durch die WEEE-Richtlinie geregelt. Die nationale Umsetzung und Zertifizierung erfolgt in Deutschland durch das ElektroG. Hiernach müssen Solarmodule mit einer Quote von derzeit 85 % wiederverwertet werden.

Das Team:
Bei Investments in der Frühphase hat neben der Innovation insbesondere das Management einen großen - wenn nicht sogar den größten - Einfluss auf unsere Investmententscheidung.

Solar Materials besteht aus einem dynamischen und hochmotivierten Gründerteam mit einem branchenweiten Netzwerk. Durch den Kontakt zu Dr. Jan-Philipp Mai bestand schon vor dem ersten Pitch eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung, was den Investmentprozess bis hin zum Notartermin positiv beeinflusst hat. Insbesondere da ein erstes persönliches Kennenlernen aufgrund von Corona-Beschränkungen erst sehr spät im Prozess stattfinden konnte.

Die Gründer haben von Anfang gezeigt, dass sie für ihr Unternehmen brennen. To-Dos und Rückfragen im Rahmen der Due Diligence wurden stets professionell und kurzfristig, meist noch über Nacht, bearbeitet, sodass der Investmentprozess innerhalb von nur 4 Wochen abgeschlossen werden konnte.

Obwohl das Team noch sehr jung ist, haben uns die Gründer mit ihren soliden Fachkenntnissen und pragmatischen, lösungsorientierten Ansätzen überzeugt. Dr. Jan-Philipp Mai als Teil des Gründerteams konnte mit seiner langjährigen Expertise und einem breiten Fachnetzwerk ergänzen.

Der Ausblick:
Mit dem Investment baut Solar Materials zunächst eine Pilotanlage, um das Verfahren von Zell- auf Modulgröße zu übertragen. Diese Anlage kann 1.500 Tonnen an PV-Modulen pro Jahr recyceln. Der nächste Schritt ist die Skalierung auf Industriemaßstab. Langfristig sollen dann 4.500 Tonnen Material pro Jahr und Standort verwertet werden.