Die Finanzplanung

Jedes Jahr erreichen uns zahlreiche Anfragen für Venture Capital Finanzierungen: von Startups in der Pre-Seedphase bis hin zu bereits etablierten Unternehmen mit mehreren Millionen Euro Umsatz.

Um diese Finanzierungsanfragen schnell beurteilen zu können, beschäftigen wir uns neben den gesendeten Pitch Decks (Blog: Muster Pitch Deck) ausführlich mit den historischen und zukünftigen Finanzzahlen.

In diesem Blog möchten wir Euch deshalb einige Tipps für eine gute Finanzplanung zusammenstellen, damit Ihr unnötige Fehler vermeidet und schneller zu Eurem Investment kommt:

  1. Nutzt ein passendes Framework: Microsoft Excel ist für die allermeisten Gründer(innen) in frühen Unternehmensphasen immer noch das Mittel der Wahl! Im Internet findet Ihr hierfür unzählige Frameworks. Wichtig ist, (1) dass Ihr Euch mit dem Aufbau der Planung wohlfühlt, (2) das Dokument nicht zu komplex/unübersichtlich wird und (3) Ihr es an die Eigenschaften Eures Geschäftsmodells anpassen könnt.
  2. Vermeidet unnötige Fehler:
    • Netto vs. Brutto: immer wieder tragen Gründer(innen) ihre Erträge und Aufwendungen als Brutto- statt als Nettobeträge ein. Beachtet, dass die Gewinn- und Verlustrechnung grundsätzlich ohne Umsatzsteuer auszufüllen ist. Im Gegensatz dazu ist die Liquiditätsplanung auf Basis der Bruttobeträge durchzuführen und die entsprechende Verrechnung der Vor- und Umsatzsteuer und die sich daraus ggf. ergebende Erstattung der Vorsteuer sind ebenfalls zu beachten.
    • Einige Unternehmer(innen) vergessen bei der Personalplanung die Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen. Üblicherweise gibt es einen Aufschlag in Höhe von ca. 21% auf das Arbeitnehmerbruttogehalt, um auf auf das für die Planung relevante Arbeitgeberbruttogehalt zu kommen.
    • Eine Gewinn- und Verlustplanung ist nicht identisch mit einer Liquiditätsplanung! Hier spielen u.a. Zahlungsziele der Kunden, abschreibungsfähige Anschaffungen und Umsatzsteuer eine wichtige Rolle. Sie führen zu Verschiebungen zwischen beiden Planungen mit teilweise gravierenden Auswirkungen und sollten daher separat erstellt werden.
    • Habt Ihr an folgende Kosten gedacht: Notarkosten für die Kapitalerhöhung, Aufwand für die Erstellung des Jahresabschlusses bzw. ab einer gewissen Größe auch die Kosten für einen Wirtschaftsprüfer?
  3. Dokumentiert Eure Planung: nutzt die Kommentarfunktion in Excel um bestimmte Positionen und Annahmen für Externe nachvollziehbar zu machen. Warum springt beispielsweise der Marketingaufwand, der bisher immer bei 1.000 EUR p.m. lag, sprunghaft in einem Monat auf 30.000 EUR? Ist dieser Effekt durch Messeaufwand oder Marketingkampagne begründet? Wir können so die für Euch selbstverständliche Planung besser nachvollziehen und Ihr vermeidet Misstrauen.
  4. Unser Bonustipp: als Venture Capital Investor checken wir Eure Finanzplanung beim ersten Durchgehen hauptsächlich darauf, ob diese strukturell realistisch geplant ist. Dafür überprüfen wir, ob sich bestimmte Verhältnisse dramatisch verschieben, was auf Planungsfehler hinweist. Explodiert beispielsweise der Umsatz pro Mitarbeiter oder habt ihr gleichbleibende Mietaufwendungen, auch wenn sich die Teamstärke verzehnfacht? Das ist oft unrealistisch und wird schnell hinterfragt. Daher prüft die Konsistenz der Planung mittels Metriken wie Umsatz je MA, Marketingaufwand je Neukundenabschluss, Vertriebsabschlüsse je Vertriebsmitarbeiter etc.

Wir haben für Euch ein Template entwickelt, mit dem ihr Eure Finanzen planen könnt. Ihr solltet dabei grundsätzlich nur die grauen Felder ausfüllen. Die blauen Felder ergeben sich aus den Verlinkungen. Am besten checkt Ihr erst einmal, ob die Struktur der GuV zu Eurem Geschäftsmodell passt bzw. adjustiert die Planung entsprechend und nehmt die gleichen Veränderungen und Verlinkungen auch in der Liquiditätsplanung vor. Startet dann mit den Umsätzen in der Finanzplanung und geht sämtliche Positionen top-down durch.