Die Finanzplanung
Jedes Jahr erreichen uns zahlreiche Anfragen für Venture Capital Finanzierungen: von Startups in der Pre-Seedphase bis hin zu bereits etablierten Unternehmen mit mehreren Millionen Euro Umsatz.
Um diese Finanzierungsanfragen schnell beurteilen zu können, beschäftigen wir uns neben den gesendeten Pitch Decks ( Pitch Deck Template ) ausführlich mit den historischen und zukünftigen Finanzzahlen.
In diesem Blog gibt Andreas van Bon, Managing Partner bei bmp, deshalb einige Tipps für eine gute Finanzplanung, damit ihr unnötige Fehler vermeidet und schneller zu eurem Investment kommt:
Nutzt ein passendes Framework
Microsoft Excel ist für die allermeisten Startups in frühen Unternehmensphasen immer noch das Mittel der Wahl! Im Internet findet Ihr hierfür unzählige Frameworks.
Wichtig ist:
- 1. Ihr fühlt euch mit dem Aufbau der Planung wohl.
2. Das Dokument bleibt übersichtlich und nicht unnötig komplex.
3. Das Framework lässt sich flexibel an die Besonderheiten eures Geschäftsmodells anpassen.
Vermeidet unnötige Fehler
- Netto vs. Brutto: immer wieder tragen Gründer und Gründerinnen ihre Erträge und Aufwendungen als Brutto- statt als Nettobeträge ein. Beachtet, dass die Gewinn- und Verlustrechnung grundsätzlich ohne Umsatzsteuer auszufüllen ist. Im Gegensatz dazu ist die Liquiditätsplanung auf Basis der Bruttobeträge durchzuführen und die entsprechende Verrechnung der Vor- und Umsatzsteuer und die sich daraus ggf. ergebende Erstattung der Vorsteuer sind ebenfalls zu beachten. Wenn es sich um größere Posten handelt, beachtet auch den Zeitverzug vom Monat der Rechnung zum Monat der Erstattung/ Zahllast unter Beachtung einer eventuellen Dauerfristverlängerung.
- Einige Unternehmen vergessen bei der Personalplanung die Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen. Üblicherweise gibt es einen Aufschlag in Höhe von ca. 22% auf das Arbeitnehmerbruttogehalt, um auf das für die Planung relevante Arbeitgeberbruttogehalt zu kommen. Pro-Tipp:
- a) bei hohen Gehältern die Beitragsbemessungsgrenze beachten und
b) Gründer, die bisher nicht sozialversicherungspflichtig waren, verlieren in der Regel diesen Status beim Einstieg des VC.
- Eine Gewinn- und Verlustplanung ist nicht identisch mit einer Liquiditätsplanung! Hier spielen u.a. Zahlungsziele der Kunden, abschreibungsfähige Anschaffungen und Umsatzsteuer eine wichtige Rolle. Sie führen zu Verschiebungen zwischen beiden Planungen mit teilweise gravierenden Auswirkungen und sollten daher separat erstellt werden. Vor allem Hardware-Startups müssen den Lageraufbau und den damit einhergehenden Kapitalbedarf genau planen.
- Wareneinkauf ist nicht Warenverbrauch! Das ist auch vor allem für Hardware-Startups besonders wichtig. Der Wareneinkauf ist Teil der Liquiditätsplanung, der Warenverbrauch/Materialaufwand Teil der Ertragsplanung. Oft ist die Zeile mit COGS (Cost of Goods Sold) bezeichnet, in den meisten Fällen falsch. COGS sind die direkten Kosten, die einem Unternehmen für die Herstellung oder Beschaffung der verkauften Produkte entstehen (Material, direkte Arbeit), exklusive indirekter Kosten wie Marketing oder Verwaltung. Das ist recht anspruchsvoll und zumeist steckt hinter dieser Position nur der Materialaufwand.
- Daran anschließend ist es sinnvoll, ein Framework zu benutzen, dass sich mit §275 Abs. 2 HGB deckt, da der Steuerberater i.d.R. die monatlichen Auswertungen in diesem Format liefert und es dann den Abgleich zwischen Plan und Realität vereinfacht.
- Habt Ihr an folgende Kosten gedacht: Notarkosten für die Kapitalerhöhung, Aufwand für die Erstellung des Jahresabschlusses bzw. ab einer gewissen Größe auch die Kosten für einen Wirtschaftsprüfer?
Dokumentiert Eure Planung
Nutzt die Kommentarfunktion in Excel, um bestimmte Positionen und Annahmen für Externe nachvollziehbar zu machen. Warum steigt beispielsweise der Marketingaufwand, der bisher immer bei 1.000 EUR p.m. lag, sprunghaft in einem Monat auf 30.000 EUR? Ist dieser Effekt durch einen Messeaufwand oder eine Marketingkampagne begründet? Wir können so die für Euch selbstverständliche Planung besser nachvollziehen und Ihr vermeidet Misstrauen.
Bonustipp
Als Venture Capital Investor checken wir Eure Finanzplanung beim ersten Durchgehen hauptsächlich darauf, ob diese strukturell realistisch geplant ist. Dafür überprüfen wir, ob sich bestimmte Verhältnisse dramatisch verschieben, was auf Planungsfehler hinweist. Explodiert beispielsweise der Umsatz pro Mitarbeiter oder habt ihr gleichbleibende Mietaufwendungen, auch wenn sich die Teamstärke verzehnfacht? Das ist oft unrealistisch und wird schnell hinterfragt. Daher prüft die Konsistenz der Planung mittels Metriken wie Umsatz je MA, Marketingaufwand je Neukundenabschluss, Vertriebsabschlüsse je Vertriebsmitarbeiter etc.
Wir haben für Euch ein Template entwickelt, mit dem ihr Eure Finanzen planen könnt. Ihr solltet dabei grundsätzlich nur die grauen Felder ausfüllen. Die blauen Felder ergeben sich aus den Verlinkungen. Am besten checkt Ihr erst einmal, ob die Struktur der GuV zu Eurem Geschäftsmodell passt bzw. adjustiert die Planung entsprechend und nehmt die gleichen Veränderungen und Verlinkungen auch in der Liquiditätsplanung vor. Startet dann mit den Umsätzen in der Finanzplanung und geht sämtliche Positionen top-down durch.